Pressekonferenz zum Projekt "Arbeitsmarktintegration jugendlicher Flüchtlinge"

June 15, 2016

 

http://www.tt.com/wirtschaft/standorttirol/11628833-91/flüchtlinge-werden-fit-für-die-arbeit.csp

 

Kufstein – Die gemeinsame Kraftanstrengung scheint sich gelohnt zu haben: Für ein österreichweites Pilotprojekt haben sich die Wirtschaftskammer Kufstein, die Industriellenvereinigung Tirol und die Leaderregion zusammengeschlossen und ein Projekt für Flüchtlinge ins Leben gerufen. Nach Vortests und einem intensiven Deutschkurs wird derzeit eine Gruppe von 19 Personen in den Bereichen Berufsorientierung geschult. Aber auch interkulturelles Wissen steht auf dem Lehrplan. Ziel ist es, die Flüchtling­e in den regionalen Arbeitsmarkt zu integrieren.

Möglich ist dies trotz eines noch nicht positiv erledigten Asylverfahrens in den so genannten Mangellehrberufen für jugendliche Asylwerber, wie etwa Spengler, Einzelhandelskaufmann oder Friseur.

Hocherfreut über das Projekt ist Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel, zugleich Obmann der Leaderregion Kufstein und Umgebung, Untere Schranne-Kaiserwinkl, über welche 75 Prozent der Kosten gefördert werden: „Ich bin froh, dass hier die Wirtschaftskammer die Initiative ergriffen hat. Wenn Flüchtlinge zu uns kommen, müssen wir etwas tun und keine Abwehrhaltung einnehmen. Flüchtlinge haben durch das Projekt die Möglichkeit, in das Berufs­leben einzusteigen, und erhalten eine Zukunftsperspektive.“ Das sei für ihn aber auch die Stunde der Wahrheit für Flüchtlinge: „Packen sie die Zukunft beim Schopf oder versuchen sie, den leichteren Weg zu gehen und machen nichts? Für eine Bleibe­perspektive braucht es zwei Seiten, wir jedenfalls reichen die Hand.“

Wie dringend Fachkräfte gebraucht werden, stellt der Vizepräsident der Tiroler Industriellenvereinigung Rainer Carqueville fest: „Wir suchen sie händeringend, auch Lehrlinge. Flüchtlinge stellen hier eine Chance dar.“

Die Teilnehmer am Pilotprojekt sind laut Peter Wachter, Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer Kufstein, zwischen 15 und 25 Jahre alt und kommen unter anderem aus Syrien, Afghanistan und Somalia. „Eine Herausforderung war am Anfang etwa die Pünktlichkeit, die Ordnung und die Einstellung. Sehr positiv ist aber die Motivation der jungen Leute“, bekräftigt Wachter.

Klar sei aber auch, dass es bei einigen bereits an der Basiskompetenz fehle, die in Österreich mit der Grundschulausbildung beigebracht werde. Diese Flüchtlinge in der Berufsschule unterzubringen, sei kaum möglich. Wachter glaubt aber, etwa die Hälfte der Gruppe in eine Berufsausbildung bringen zu können.

Einer der extrem motiviert sei, ist der 20-jährige Mohamad Moelak Zuheir aus Syrien, der mit seinem Vater geflohen ist und dessen übrige Familie erst seit drei Wochen auch in Österreich ist. Innerhalb von zwei Monaten hat er Deutsch gelernt und möchte nun Koch werden. Wie es ihm in Österreich gefällt? Sehr gut, sagt er: „Hier gibt es Sicherheit und Freiheit.“

Was alle Projektpartner nicht verstehen können, ist, dass es zwar viele kleine Initiativen gebe, „aber es gibt kein System, keine Strategie in Österreich“, sagt Wachter. „Behindern und verhindern können wir in der Politik sehr gut“, ist Bezirkswirtschaftskammer-Obmann Martin Hirner verärgert. Das könnte sich aber ändern: Das Ministerium habe bereits Interess­e am Kufsteiner Projekt gezeigt. „Einfach kopieren und verbessern, das gehört flächendeckend gemacht“, appelliert Bürgermeister Martin Krumschnabel. Kufstein sollt­e beispielgebend für andere Institutionen sein, um solche Projekte umzusetzen.

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